Shaza171's Blog

Just another WordPress.com site

“Für Saleh gibt es keinerlei Garantien mehr” VON MANUELA HONSIG-ERLENBURG | 19. April 2011, 14:54 Demo gegen Saleh in der südjemenitischen Stadt Taiz Menschenrechts-Journalistin Shatha Al-Harazi von der Yemen Times im derStandard.at-Interview

leave a comment »

Nach wie vor strömen Tag für Tag tausende Jemeniten auf die Straßen der Hauptstadt Sanaa, um gegen das Regime Ali Abdallah Salehs zu protestieren. Die Situation in dem bitterarmen Land im Süden der arabischen Halbinsel wird indes immer komplizierter. Auch der Golf-Kooperationsrat, indem sich die sechs Anrainerstaaten des Persischen Golfs unter der Führung Saudi-Arabiens zusammengeschlossen haben, hat bisher keine Lösung hervorgebracht. Die Journalistin Shatha Al-Harazi, die sich bei den Yemen Times mit Menschenrechtsthemen befasst, erklärt im Interview mit derStandard.at ihre Sicht der Dinge.

MEHR ZUM THEMA
WEG:Fernweh? Jetzt buchen auf austrian.com
UNIVERSITÄT:Donau-Uni: Studienführer gratis bestellen
KORRUPTION:Stimmen Sie dagegen!
Werbung
***

derStandard.at: Demonstranten verlangen seit Monaten den Rücktritt Präsident Salehs, bis zu 100 Menschen sind seither ums Leben gekommen, ein Ende der Unruhen ist nicht in Sicht. Vor einigen Wochen sah es so aus, als wäre Salehs Abgang nur mehr eine Frage der Zeit. Warum ist er noch im Amt?

Shatha Al-Harazi: Es sind bisher schon bis zu 300 Menschen, die getötet wurden, immer mehr kamen zu den Protesten, Beamte, Bürger und auch seine eigenen Leute. Saleh hatte gedacht, er könne sich auf seine Anhänger verlassen, die USA und vor allem auf seine Verwandten, die die wichtigsten Positionen im Land innehaben. Die Freitagsproteste, zu denen er aufgerufen hat, haben ihm aber dann doch mehr Selbstvertrauen gegeben und haben die Ausgangsposition verändert. Auch die internationale Gemeinschaft hat ihre Position gegenüber der Revolution geändert, die Angst vor Al -Kaida spielt keine so große Rolle mehr.

derStandard.at: Zeigen die Revolutionen in arabischen Ländern Auswirkungen?

Al-Harazi: Die Revolutionen in Tunesien und Ägypten haben aber auch auf Saleh Einfluss gehabt, er hat gegenüber der Opposition immer darauf beharrt, nach seinem Rücktritt nicht belangt werden zu können. Nachdem Mubarak (gestürzter Präsident Ägyptens, Anm.) nun vor Gericht gestellt wurde, hat auch Saleh erkannt, dass es keinerlei Garantien gibt, dass er nicht denselben Weg wie Mubarak gehen wird. Darum geht er nun so hart vor.

derStandard.at: Wer unterstützt Saleh noch und wie lange wird er – Ihrer Meinung nach – noch an der Macht bleiben?

Al-Harazi: Die Geschäftsleute, die von Saleh unterstützt wurden und von dem korrupten Regime profitierten und Bürger, die von der Angstmacherei der offiziellen Medien angesteckt wurden, wonach sich Nord- und Südjemen aufspalten könnten. Dazu gibt es Menschen, die Angst haben, dass Hammed Al-Ahmer, Salehs Gegner mit schlechtem Ruf, das Land regieren könnte. Und zum Schluss natürlich diejenigen, die für Pro-Regierungsproteste bezahlt werden.

derStandard.at: Was können Sie über Kämpfe zwischen Polizei und Militär sagen?

Al-Harazi: Bisher hab es keine großen Kämpfe. Die Polizei ist noch immer loyal zu Saleh und kann es sich gar nicht leisten, sich gegen die Armee aufzulehnen. Einer der wichtigsten Armeeführer ist übergelaufen und hat versprochen, er wolle die Revolution schützen. Bisher gab es zwei Zusammenstöße in der Hauptstadt, sieben Soldaten sollen getötet worden sein, was dem Regime Grund gab, vor einem Bürgerkrieg zu warnen. Major General Ali Mohsen al-Ahmar, der sich auf die Seite der Demonstranten gestellt hat, überlebte in diesem Monat bereits das fünfte Attentat.

derStandard.at: Was halten Sie von dem Vermittlungsvorschlag des Golf-Kooperationsrates (GCC), der den Abgang Salehs zu einem unbestimmten Zeitpunkt vorsieht, nach Ansicht vieler Kritiker aber Straffreiheit für ihn beinhaltet?

Al-Harazi: Ich war gemeinsam mit vier jungen Demonstranten zur Konferenz in Riad (Hauptstadt Saudi-Arabiens, Anm.) eingeladen, als der GCC noch nicht von seiner scharfen Rücktrittsforderung abgerückt war. Katars Außenminister sagte damals, die Initiative wäre klar auf Salehs Rücktritt ausgerichtet. Die Jugend hat diesem Vorschlag zugestimmt, Saleh hat ihn abgelehnt. Daraufhin änderte die GCC ihren Plan. Jetzt, wo mehr als 300 Demonstranten getötet wurden, wird weder die Jugend noch die Opposition einer Straffreiheit für Saleh zustimmen.

derStandard.at: Saleh hat die Rahmenbedingungen des GCC akzeptiert, solange diese “verfassungsgemäß” sind. Was bedeutet das?

Al-Harazi: Das heißt, dass er nicht zurücktritt, sondern eine Art oberster Führer wie Khamenei (iranischer Machthaber, Anm.) wird. So könnte er mit Ehre aus dem Palast gehen und auch rechtlich nicht für seine Verbrechen angeklagt werden.

derStandard.at: Haben Sie selbst die Proteste unterstützt?

Al-Harazi: Ja. Ich habe Saleh persönlich getroffen und ihn zum Rücktritt aufgefordert.

derStandard.at: Können Sie uns die Atmosphäre in Sanaa beschreiben?

Al-Harazi: Die Demonstrationen begannen an Universität von Sanaa, dann sind die Oppositionsparteien dazugekommen und dann die jungen Leute. Die Jugend macht etwa 70 Prozent der Bevölkerung aus, wir sprechen von kaum zwei Prozent davon, die zu Beginn dabei waren. Bis jetzt ist ein großer Teil der Bevölkerung unentschlossen oder hofft auf einen dritten Weg, der aus friedlichem Übergang und Dialog besteht. Die Jungen sind am schwersten davon zu überzeugen, die übrigen Bewohner stört vor allem die Wirtschaftskrise und der Mangel an Basisgütern wie Öl und Gas. Diese Menschen wollen vor allem ein schnelles Ende der politischen Krise.

derStandard.at: Wie frei kann die Presse in Ihrem Land arbeiten?

Al-Harazi: Freier als in jedem anderen arabischen Land mit Ausnahme des Libanon. Aber natürlich werden Journalisten, die gegen Korruption anschreiben, von der Regierung angegriffen. Außerdem sind wir im 21. Jahrhundert, da ist die arabische Welt alleine kein Maßstab mehr, wir wollen die uneingeschränkte Freiheit. (mhe, derStandard.at, 19.4.2011)

Written by shatha

April 19, 2011 at 8:58 pm

Posted in ME by others :)

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: